Strandatlas

Magazin · Inspiration

Stille Buchten der Türkei

Teil 3 — Ölüdeniz, Faralya und Kalkan: die lykische Steilküste, wo pinienschwarze Berge ins klare Mittelmeer stürzen, in drei Häusern erzählt.

Magazin·Stille Buchten der Türkei

Mit Teil 3 erreicht die Reihe das offene Mittelmeer. Hier wechselt die Küste den Charakter: An die Stelle der sanften ägäischen Hügel treten hohe Kalksteinwände und pinienschwarze Berge, die fast senkrecht in tiefes, leuchtendes Wasser stürzen. Das ist die lykische Küste — schroffer, dramatischer und auf eine andere Art still.

Drei Punkte an ihr erzählt dieser Teil: Ölüdeniz mit seiner berühmten Blauen Lagune und den Gleitschirmen, die von Babadağ herabschweben; Faralya, das Klippendorf hoch über dem Schmetterlingstal; und Kalkan, die weiße Stadt, die sich über einen kleinen Hafen staffelt. Wucht und Ruhe liegen hier dicht beieinander.

Die Buchten sind an diesem Abschnitt schwerer zu haben — erreichbar über das Boot, einen steilen Pfad oder von einer Terrasse weit über dem Wasser. Das ist der Handel dieser Küste: Ihre Stille schenkt sie dem, der ein Stück dafür klettert oder segelt. Wer das annimmt, wird mit Bildern belohnt, die flachere Küsten nicht kennen.

Ölüdeniz — die Blaue Lagune und der Berg

Ölüdeniz ist eines der meistfotografierten Bilder der Türkei: eine flache, türkis leuchtende Lagune, durch eine schmale Sandzunge vom offenen Meer getrennt und als Naturpark geschützt. Der Name — „totes Meer“ — meint die spiegelglatte Ruhe ihres Wassers. Über allem ragt der Babadağ auf, von dessen Höhe Gleitschirmflieger starten; Ölüdeniz gilt als einer der besten Startplätze der Welt, und hier nimmt auch der Lykische Weg seinen Anfang.

Am felsigen Rand, etwas abseits des belebten Belcekız-Strands, liegt Beyaz Yunus — der „weiße Delfin“, ein kleines Haus über dem Wasser, mit Treppen hinab zu einer eigenen Badeplattform am Fels.

Das Dorf selbst ist über die Jahre gewachsen: eine Strandpromenade, Pensionen und Tavernen, dazwischen die Landeplätze der Tandemflieger. Die eigentliche Lagune aber liegt geschützt am Ende einer Landzunge, als Naturpark vor Bebauung bewahrt; Boote dürfen nicht hinein. Wer früh kommt oder spät bleibt, hat das stillste Türkis beinahe für sich.

Ehrlich gesagt: Der Hauptstrand von Ölüdeniz ist in der Saison voll und durchbaut. Die Lagune selbst bleibt geschützt und ruhiger, und die Adressen, die wir hier empfehlen, liegen an den ruhigen Rändern — am Trubel, aber nicht in ihm.

Ölüdeniz: die geschützte Blaue Lagune, vom offenen Meer durch eine schmale Sandzunge getrennt.

Faralya, hoch über dem Schmetterlingstal

Folgt man der Küste nach Süden und der Straße in die Höhe, erreicht man Faralya — ein kleines Dorf, das mehrere Hundert Meter über dem Meer an den Hang geklebt ist. Tief darunter öffnet sich das Schmetterlingstal (Kelebekler Vadisi), eine von steilen Wänden umschlossene Bucht, die nur per Boot oder über einen anspruchsvollen Pfad erreichbar ist und im Sommer Hunderten Faltern Heimat gibt, darunter dem Russischen Bären.

Hier oben, mit dem Blick beinahe senkrecht hinab aufs Wasser, liegt Perdue — ein kleines Rückzugshaus auf den Klippen von Faralya, an dem der Lykische Weg vorüberführt.

Faralya — amtlich Uzunyurt — ist über die Jahrhunderte fast unverändert geblieben: Gärten, Olivenbäume, ein paar kleine Pensionen, getragen vom Takt des Lykischen Wegs, der mitten hindurchführt. Von hier steigt ein steiler Pfad ins Schmetterlingstal hinab, andere Wanderer ziehen weiter Richtung Kabak, der nächsten stillen Bucht. Es ist ein Ort für Menschen, die das Gehen ebenso schätzen wie das Schwimmen.

Ehrlich ist auch: Das bedeutet Höhe und Abgeschiedenheit. Die Straße ist schmal, der Abstieg zum Strand steil, und wer flachen Sand vor der Tür sucht, ist hier falsch. Wer dagegen Weite, Stille und den Blick über die Kante sucht, findet wenig Vergleichbares.

Faralya: das Klippendorf hoch über dem Schmetterlingstal, erreichbar zu Fuß oder vom Boot.

Kalkan — weißes Haus über dem Hafen

Weiter östlich staffelt sich Kalkan an einen steilen Hang über einem kleinen Hafen: weiß getünchte Häuser mit Bougainvillea, enge Gassen, Dachterrassen-Restaurants über dem Wasser, dahinter die Wände des Taurusgebirges. Der Ort war einst das osmanisch-griechische Kalamaki; heute ist er ein gepflegtes Ziel, und in der Nähe liegt die türkisblaue Bucht von Kaputaş zwischen hohen Felsen.

Gegenüber der Stadt, an den Klippen der Bucht, liegt Hotel Villa Mahal — ein weißes Haus über dem Wasser, mit vielen Stufen und einem Bootszubringer hinunter zu einer Badeplattform am Fels.

Das Leben spielt sich abends auf den Dächern ab: Über den Gassen reihen sich Terrassenrestaurants, von denen der Blick über die Lichter des Hafens auf die dunkle See fällt. Tagsüber locken die nahen Buchten — allen voran Kaputaş, ein schmaler Streifen Sand am Fuß einer langen Treppe, dessen Wasser fast unwirklich blau zwischen den Felsen steht.

Auch das gehört zur Wahrheit: Kalkan ist ein polierter Ferienort, in der Hochsaison gut besucht, und Villa Mahals Lage ist steil — man nimmt viele Treppen in Kauf. Dafür bekommt man eine Ruhe über dem Wasser, die der lebhafte Ort selbst kaum noch kennt.

Lykien zu Fuß und per Boot

Diese Küste lässt sich auf zwei Arten lesen: zu Fuß und vom Wasser. Der Lykische Weg, einer der schönsten Küstenfernwanderwege Europas, beginnt bei Ölüdeniz und zieht sich über Hunderte Kilometer an der Steilküste entlang — vorbei an Buchten, Pinienwäldern und den in den Fels geschlagenen Gräbern der alten Lykier, die diesem Landstrich seinen Namen gaben.

Was der Wanderer von oben sieht, holt sich der Bootsfahrer von unten: die versteckten Buchten unter den Wänden, das Schmetterlingstal, die kleinen Kiesstrände ohne Straße. Die Häuser dieses Abschnitts liegen genau an dieser Schnittstelle — hoch genug für den weiten Blick, nah genug am Wasser für den Sprung hinein. Wer mag, geht morgens ein Stück des Wegs und ankert nachmittags in einer Bucht, die er von oben gesehen hat.

Über allem liegt eine ältere Schicht: Dies ist Lykien, das Land eines antiken Volkes, das seine Toten in Felsgräber und Tempelfassaden hoch über dem Meer bettete. An vielen Stellen der Küste — bei Kaş, in den Hügeln hinter Kalkan — stößt man unvermittelt auf diese Gräber, halb von Macchia überwachsen. Sie geben der Landschaft ihre Tiefe: Hier ist das Stille nicht nur Natur, sondern auch Geschichte.

Wann die lykische Küste am schönsten ist

Wie an der ganzen Küste liegen die besten Wochen abseits des Hochsommers — doch der lykische Süden hält länger warm. Mai und Juni sowie September und Oktober verbinden ein warmes Meer mit erträglicher Hitze; im Frühling blüht es entlang des Lykischen Wegs, und das Wandern ist dann am angenehmsten. Die Falter im Schmetterlingstal zeigen sich vor allem von Juni bis September.

Im Hochsommer stehen das tiefste Blau und das verlässlichste Badewetter — aber auch volle Strände und Hitze auf den Klippen; Gleitschirmflieger schätzen dann die klare Thermik über dem Babadağ. Wer es ruhig mag, weicht auf die Randmonate aus und nimmt das eine oder andere kühlere Bad in Kauf.

Praktisch erreicht man die lykische Küste über den Flughafen Dalaman, gut anderthalb Stunden von Ölüdeniz und Kalkan entfernt; die Küstenstraße windet sich danach durch die Berge, mit Ausblicken, die schon zur Reise gehören. Wer Faralya ansteuert, plant die letzte, kurvige Etappe besser bei Tageslicht.

Kurz gesagt

Die lykische Steilküste ist der dramatischste Abschnitt dieser Reise — dort, wo Berg und Meer am härtesten aufeinandertreffen und die Stille über einer Kante liegt. Drei Häuser fassen ihn: über der Lagune von Ölüdeniz, auf den Klippen von Faralya und über dem Hafen von Kalkan — jedes auf seine Weise ein Logenplatz, hoch über demselben tiefblauen, lykischen Wasser. Für die Frage nach dem besten Monat gibt es den Reisezeit-Überblick.

Ein letztes Mal wird die Reihe weiterziehen — nach Kalkan und Kaş, in den tiefen lykischen Süden mit seinem Blick auf die griechischen Inseln. Alle weiteren Etappen der Reihe stehen im Magazin.