Bozburun · Karische Küste · Türkei
Karia Bel
€€€€€€
Kleines Haus an einer ruhigen Bozburun-Bucht, fern der Resorts — am schönsten in den Randmonaten, wenn die Schoner auslaufen und die Buchten leer liegen.
Magazin · Inspiration
Teil 2 — die pinienschwarze Bozburun-Halbinsel und der Golf von Göcek mit seinen zwölf Inseln: eine Küste, die sich in unzählige Buchten faltet, in drei Häusern erzählt.
Magazin·Stille Buchten der Türkei
Weiter nach Süden faltet sich die Küste nach innen. Wo die nördliche Ägäis noch offen und windig war, bricht das Ufer nun in Halbinseln und Golfe auf — in unzählige Buchten und bewaldete Inseln, zwischen denen das Meer eher See als Weite ist. Hier wird das Stille zu etwas, das man sich vom Wasser holt.
Teil 2 erzählt zwei solcher Welten: die pinienschwarze Bozburun-Halbinsel südwestlich von Marmaris, altes Land der Schwammtaucher und Schonerbauer, und den geschützten Golf von Göcek mit seinen zwölf bewaldeten Inseln. Beide leben weniger vom Strand als von der Bucht.
Ein Haus ist hier ebenso Stützpunkt für das Wasser wie für das Land. Drei davon spannen den Bogen — von den winzigen Häfen Bozburuns bis zum inselübersäten Golf von Göcek. Dazwischen liegt eine Küste, die man am besten mit dem Boot liest.
Südwestlich von Marmaris greift die Bozburun-Halbinsel in pinienbewaldeten Rücken ins Meer. Lange war sie das Herz der ägäischen Schwammtaucherei und die Heimat der Gulet-Bauer — jener hölzernen Schoner, die noch heute aus ihren kleinen Häfen gleiten. Orte wie Bozburun, Selimiye und Söğüt sind klein geblieben: keine Hochhäuser, nur Werften, Stege und Buchten.
Hier liegen gleich zwei Häuser, beide auf der ruhigen Seite der Halbinsel. Karia Bel und Miamai sind kleine Adressen für Gäste, die das Wasser und die Boote suchen, nicht die Anlage — das eine zurückhaltend und preislich am Boden, das andere ein feiner gehaltenes Boutiquehaus.
Zwischen den Häfen reihen sich die Buchten wie an einer Schnur: Selimiye mit seiner ruhigen, von Bergen gerahmten Reede, das alte Söğüt, Bozburun selbst mit den Werften, an denen noch heute Boote aus Kiefernholz entstehen. Lange lebten diese Dörfer vom Schwamm, den Taucher in großer Tiefe von den Felsen lösten; heute ankern hier die Schoner, die einst dafür gebaut wurden. Abends gibt es gegrillten Fisch und Meze fast am Wasser, dazu den Blick auf die Lichter in der Bucht — und sonst wenig, was an die laute Küste weiter östlich erinnert.
So ehrlich muss man sein: Das ist abgelegen. Die Straßen winden sich, die Dörfer leben von der Saison, und vieles schließt im Winter. Gerade diese Abgeschiedenheit ist der Reiz — sie verlangt nur einen Mietwagen und etwas Geduld.
Weiter östlich öffnet sich der Golf von Göcek, Teil der großen Bucht von Fethiye, übersät mit den Zwölf Inseln (Oniki Adalar) — bewaldet, größtenteils unbewohnt. Göcek selbst ist bewusst niedrig geblieben: Höhenbegrenzungen haben die Hochhäuser ferngehalten, und so besteht der Ort aus Marinas, Pinien und flachen weißen Häusern statt aus Türmen. Es ist der klassische Ausgangspunkt für eine Fahrt durch die Inseln.
Über dem Ort, an einem Pinienhang mit Blick über den Golf, liegt Yazz Collective — ein Designhaus, das auf das Wasser und seine Inseln hinabschaut. Von hier sind es nur Minuten hinunter zu den Stegen, von denen die Boote ablegen — und ebenso wenige zurück in die Kühle des Hangs.
Die Inseln selbst tragen Namen wie Tersane, einst ein Werftplatz, dessen Ruinen heute am Wasser verwittern, oder Yassıca, eine flache Gruppe, um die das Meer in allen Grüntönen steht. Zwischen ihnen liegen Buchten, in denen man schwimmen kann, ohne ein einziges Haus am Ufer zu sehen, und schmale Durchfahrten, durch die sich die Boote langsam tasten. Es ist eine Landschaft zum langsamen Erkunden — am besten über mehrere Tage, mit dem Wasser als Straße und der nächsten Reede als Ziel.
Auch das gehört zur Wahrheit: Göcek ist ein Segler-Knotenpunkt, und in der Hochsaison sind die Marinas voll. Die Stille beginnt gleich dahinter — eine kurze Fahrt mit dem Beiboot, und in der Bucht zirpen nur noch die Zikaden.
Es ist die Begegnung von Wald und Meer, die diesen Abschnitt prägt. Anders als die kahleren Hänge des Nordens sind die Hügel hier dicht mit Kiefern bewachsen, die bis an die Felskanten reichen; darunter liegt das Wasser in tiefem Blau und Grün. In der Mittagshitze riecht es nach Harz und Salz, und unter den Pinien bleibt es kühl, während die Sonne über der offenen Reede flirrt.
Das Leben in den Dörfern ist entsprechend unaufgeregt. Man frühstückt spät, kauft den Fisch am Hafen, isst abends Meze unter Bougainvillea. Es gibt keine Promenade, die unterhalten will — nur Stege, ein paar Tavernen und das stete Kommen und Gehen der Boote. Wer Ruhe an einer grünen statt an einer kargen Küste sucht, ist hier richtig.
Diese grüne Ruhe hat ihren Preis: Vieles ist klein und persönlich geführt, die Wege sind weit, und große Hotelnamen sucht man vergebens. Doch genau das hält die Buchten frei — und macht den Unterschied zwischen einem Ort, den man besucht, und einem, an den man zurückkehrt.
Was beide Welten teilen: Die schönsten Plätze haben keine Anschrift, nur eine Ankerstelle. Rund um Göcek bilden die zwölf Inseln einen geschützten Archipel, in dem Boote von einer Reede zur nächsten ziehen; vor Bozburun verbirgt die zerklüftete Küste eine Reede nach der anderen. Manche stehen unter Naturschutz, einige sind nur über See zu erreichen.
Das prägt, wie man hier unterwegs ist. Ein Tag kann an Land beginnen — ein Frühstück im Dorf, ein Gang durch die Pinien — und vor Anker in einer Reede enden, in der höchstens zwei, drei andere Boote liegen. Die Häuser dieser Halbinseln verstehen diesen Takt; sie sind zum Aufbrechen und Zurückkommen gemacht.
Auch wer lieber an Land bleibt, lebt nach diesem Takt: Vom Wasser kommen die Geschichten, die Boote und der Fisch des Tages, und selbst der Spaziergang führt eher zu einer Bucht als zu einem Platz. Ein Haus an dieser Küste ist darum selten nur Unterkunft — es ist der feste Punkt, von dem aus man das Bewegliche erkundet, und der Ort, an dem man am Abend mit salziger Haut wieder ankommt.
Auch diese Golfe zeigen sich abseits des Hochsommers am freundlichsten. Ein milder Frühsommer um Mai und Juni und ein langer, warmer September prägen die beste Zeit: Das Wasser ist warm, die Saison der Schoner läuft ohne das Augustgedränge, und die Buchten liegen ruhig. Mandel- und Olivenhänge stehen im Frühjahr in vollem Grün.
In Juli und August ist die Sonne am verlässlichsten — und die Marinas am vollsten; wer dann reist, reserviert beizeiten und plant den Tag um die Boote herum. Im Winter wird es auf den Halbinseln still bis zum Stillstand, viele Häuser ruhen.
Praktisch ist Göcek über den Flughafen Dalaman gut zu erreichen, keine Stunde entfernt; Bozburun verlangt die kurvige Fahrt über die Halbinsel hinter Marmaris, die selbst schon zur Reise gehört. Beides lohnt am ehesten, wenn die Tage lang und die Reeden warm sind — und wenn man die Zeit mitbringt, die diese Küste verlangt.
Halbinsel und Golf sind der inselreichste, am stärksten dem Boot zugewandte Abschnitt dieser Küste — hier ist die Stille etwas, zu dem man hinaussegelt. Drei Häuser markieren ihn: zwei an den leisen Ufern Bozburuns, eines über den zwölf Inseln von Göcek — jedes ein Stützpunkt mehr für das Wasser als für die Straße. Den passenden Monat für die ganze Küste behandelt der Reisezeit-Überblick.
Von hier wendet sich die Reihe der offenen Mittelmeerseite zu — der lykischen Steilküste um Ölüdeniz, Faralya und Kalkan. Weitere Häuser und Etappen versammelt das Magazin.