Strandatlas

Magazin · Momentaufnahme

Italien im September

Der wärmste Moment des italienischen Meeres: früher Herbst im Süden und auf Sardinien — gebrochene Hitze, leerere Strände und die See auf ihrem Höhepunkt.

Magazin·Italien im September

Es gibt einen Moment, in dem das italienische Meer am wärmsten ist — und er liegt nicht im Hochsommer, sondern danach. Der September trägt die ganze gespeicherte Wärme der Saison ins Wasser, während die drückende Hitze des August bereits gebrochen ist und die großen Menschenmengen abreisen. Es ist der Süden im schönsten Gleichgewicht.

Die Tage sind noch lang und warm, das Licht wird weicher und goldener, und an den Küsten kehrt eine Ruhe ein, die der Hochsommer nicht kennt. Es ist die Zeit der Weinlese, der reifen Feigen, der langen Abende im Freien — und des Badens in einer See, die sich anfühlt wie ein warmes Bad.

Diese Momentaufnahme hält Italiens Süden und Sardinien im September fest — und zeigt drei Häuser, von einem Kloster über der Amalfiküste über eine Ikone der Costa Smeralda bis an den stillen Sand der sardischen Costa Rei.

Wenn das Meer am wärmsten ist

Das Mittelmeer erwärmt sich träge über den ganzen Sommer — und gibt diese Wärme erst spät wieder her. Darum ist nicht der Juli oder August die Zeit der wärmsten See, sondern der September: Das Wasser hat Monate Sonne gespeichert, und es trägt sie weit in den Herbst. Wer in Italien vor allem schwimmen will, reist jetzt.

Zugleich ist die größte Hitze vorbei. Die Luft ist warm, aber nicht mehr drückend, die Nächte kühlen angenehm, und die Orte atmen auf, nachdem der August-Andrang abgereist ist. Wie sich Italiens Küsten über die Monate verteilen, steht ausführlich in unserem Reisezeit-Artikel für Italien; das Gegenstück im Frühling beschreibt unsere Momentaufnahme Italien im Mai.

Ein ehrliches Wort gehört dazu: Der September ist ein Übergangsmonat. In den ersten Wochen ist er hochsommerlich warm und noch gut besucht; gegen Ende kann der erste Herbst sich zeigen, und einzelne saisonale Strandbetriebe und Boote fahren ihre Saison zurück. Wer das wärmste Meer und die meiste Ruhe zugleich will, zielt auf die mittleren und späteren Wochen.

Drei Küsten im Spätsommer

Die Amalfiküste zeigt im September ihr mildestes Gesicht. Die senkrechten Dörfer, die im August unter Hitze und Andrang ächzen, atmen wieder; die Zitronengärten duften, die Höhenpfade sind begehbar, und das Tyrrhenische Meer unter den Klippen ist warm wie selten. Es ist die Zeit, die Steilküste in Ruhe zu erleben.

Die Costa Smeralda im Norden Sardiniens ist die glamouröse Gegenwelt: smaragdgrüne Buchten, weißer Granit, ein Wasser von fast unwirklicher Klarheit. Nach dem mondänen Trubel des August kehrt im September eine leisere Eleganz ein — dieselben Buchten, dasselbe Türkis, nur mit mehr Raum.

Und der Süden Sardiniens, um die Costa Rei, ist die stille dritte Welt: lange, helle Sandstrände, flaches türkises Wasser, kaum Trubel. Fernab des Smeralda-Glanzes findet man hier den karibischen Traum des Mittelmeers — im September weit, warm und fast menschenleer.

Was die drei eint, ist das Wasser. Im September lädt das warme Meer zu langen Bädern, zu Bootsfahrten in versteckte Grotten und zu Sprüngen von den Felsen in der warmen Nachmittagssonne. Die Brandung ist sanft, die Sicht klar, die Ankerplätze liegen ruhig — und das Baden hat nichts von der Hektik der vollen Wochen. Man bleibt einfach im Wasser, bis das Licht über den Hügeln golden wird und der Hunger nach einem späten Abendessen ruft.

Die Zeit der Ernte

Der September ist in Italien der Monat der Fülle. Es ist Weinlese, die vendemmia, und das halbe Land riecht nach Most und reifen Trauben; die Feigen sind reif, die ersten Kastanien fallen, die Gärten geben noch einmal alles. Auf den Tisch kommt, was Hochsommer und Sonne hervorgebracht haben — eine der besten Zeiten, um in Italien zu essen.

Auch das Land lädt jetzt ein. Die Hitze, die im August jeden Spaziergang zur Mühe machte, ist gebrochen; die Höhenpfade der Amalfiküste, die Granithügel Sardiniens, die alten Städte und Märkte lassen sich wieder in Ruhe erkunden. Meer und Land kommen im September in ein Gleichgewicht, das der Hochsommer nicht bietet.

Und die Abende sind das eigentliche Geschenk. Lau genug, um lange draußen zu sitzen, das Meer noch warm vom Tag, das Licht langsam über den Hügeln verglühend — man isst spät, ohne zu frieren, und der Sommer will einfach nicht enden. Es ist der lange, goldene Ausklang der italienischen Saison.

Der goldene Ausklang

Der Reiz des September liegt im Nachklang. Alles, was den italienischen Sommer ausmacht, ist noch da — das warme Meer, die langen Abende, die Fülle der Tische —, nur ohne die Hitze und das Gedränge des Hochsommers. Es ist der Süden, nachdem der Trubel gegangen ist und bevor der Herbst kommt.

Gerade darin liegt sein Wert. Die berühmten Küsten zeigen sich ohne Andrang, das Wasser ist auf seinem wärmsten Stand, die Häuser haben wieder Zeit. Wer Italien in voller Sommerwärme erleben will, aber die vollen Wochen scheut, findet im September sein Fenster — vielleicht das schönste des ganzen Jahres.

Der Tausch ist ehrlich: Man reist in einem Übergangsmonat, dessen Ende schon den Herbst streifen kann, und plant die letzten saisonalen Tage mit etwas Spielraum. Wer die wärmeren Wochen wählt, bekommt Italiens Süden in seiner anmutigsten Form — warm, golden und herrlich entspannt.

Kurz gesagt

Italien im September heißt: das Meer auf seiner wärmsten Temperatur des Jahres, die Hitze des Hochsommers gebrochen, die Küsten wieder weit — von der milden Amalfiküste über die leisere Costa Smeralda bis an den stillen Sand Süd-Sardiniens. Dazu die vendemmia und die Fülle der Spätsommer-Tafel.

Wer schwimmen, schlemmen und die berühmten Orte ohne Andrang erleben will, reist genau jetzt — am besten in den mittleren bis späteren Wochen, ehe der Herbst sich zeigt. So oder so ist der September der goldene Ausklang der italienischen Saison: warm, weit und voller Licht.