Motu Tianoa · Tikehau · Tuamotu-Inseln
Le Tikehau by Pearl Resorts
€€€€€€
Die Mantarochen kommen im September fast jeden Morgen an die alte Perlenfarm — fünf Bootsminuten vom Haus.
Magazin · Momentaufnahme
Der klarste Monat des Jahres: Wale vor der Küste, Mantarochen im Atoll — und eine Sicht unter Wasser, für die man das halbe Jahr wartet.
Magazin·Südpazifik im September
Wenn es einen Monat gibt, in dem der Südpazifik alles zeigt, was er hat, dann ist es der September. Die Trockenzeit läuft seit Monaten, kein Regen hat Schwebstoff ins Wasser getragen, und unter der Oberfläche reicht der Blick weiter als in jeder anderen Jahreszeit — auf Fidschi über dreißig Meter.
An Land ist die Luft trocken, die Temperaturen liegen angenehm unter denen des Hochsommers, und die Nächte sind so kühl, dass man mit offener Tür schläft. Der Passat weht stetig, und er nimmt der Sonne die Schwere.
Es ist auch der Monat, in dem der Andrang zurückgeht. Die australischen und neuseeländischen Winterferien sind vorbei, die Häuser leeren sich wieder — und das Wetter bleibt.
Zwischen Juli und Oktober ziehen Buckelwale durch den Südpazifik, auf dem Weg von ihren Paarungsgründen in den Tropen zu den Futtergründen der Antarktis. Der September liegt mitten in dieser Bewegung.
Man sieht sie vom Boot aus, manchmal vom Ufer. Ein Blas, eine Rückenflosse, dann nichts, dann plötzlich ein ganzer Körper, der sich aus dem Wasser hebt und mit einem Geräusch zurückfällt, das man über Kilometer hört. Es ist der Moment, in dem einem die Größe dieses Ozeans zum ersten Mal wirklich aufgeht — und in dem man begreift, dass das Wasser vor der Bure kein Schwimmbad ist, sondern ein Meer.
Fünf Bootsminuten vor Le Tikehau liegt eine aufgegebene Perlenfarm. Die Farm ist Geschichte, aber die Rochen sind geblieben: Sie kommen dorthin, um sich von kleinen Fischen putzen zu lassen — und zwischen Juni und Oktober tun sie es fast jeden Morgen.
Man gleitet ins Wasser, hält still und wartet. Dann schiebt sich etwas ins Blickfeld, das vier Meter Spannweite hat, sich langsam bewegt und nicht das geringste Interesse an einem zeigt. Es ist die Begegnung, für die viele Gäste dieses Atoll überhaupt gewählt haben — und im September ist sie so verlässlich wie sonst nie.
Wer taucht, fährt zusätzlich zur Tuheiava-Passage, dem einzigen Durchlass des Atolls. Dort steht die Strömung, und mit ihr kommen die großen Schwärme herein.
Der September hat eine Eigenschaft, die man erst versteht, wenn man weiß, wer im Südpazifik Urlaub macht. Der größte Teil der Gäste kommt aus Australien und Neuseeland, und deren Winterferien liegen im Juni, Juli und August. Danach kippt die Belegung.
Das Ergebnis ist eine seltene Kombination: bestes Wetter bei fallender Auslastung. Im Juli zahlt man Höchstpreise und teilt die Lagune; im September bleibt das Wetter und der Andrang geht. Wer sich zwischen Hochsaison und Verlässlichkeit nicht entscheiden mag, muss es in diesem Monat nicht.
Für die Häuser dieser Sammlung heißt das konkret: Die Bootsausflüge fahren, die Tische im Restaurant sind zu bekommen, und in Le Taha'a kann man den Korallengarten früh am Morgen haben, bevor die Ausflugsboote der Nachbarinseln kommen.
Zwei Dinge muss man ihm nachsehen.
Nach fünf Monaten ohne nennenswerten Regen sind die hohen Inseln trockener als im Mai. Taha'as Hänge stehen weniger satt, die Wasserfälle führen weniger. Wer die Üppigkeit sucht, die man mit den Tropen verbindet, findet sie im Mai eher als jetzt. Auf den Atollen spielt das keine Rolle — dort gibt es ohnehin keine Hänge.
Und der Preis. Der September ist günstiger als der Juli, aber er ist nicht der Mai. Man zahlt für die Sicht und für die Wale, und man zahlt es gern — aber man sollte wissen, dass es der Aufschlag auf die Verlässlichkeit ist.
Für Surfer gilt zudem: Die große Swell-Saison Fidschis läuft von April bis Oktober und neigt sich im September dem Ende zu. Cloudbreak liefert noch, aber die ganz großen Tage liegen meist früher.
Der Südpazifik feiert viel, aber nicht im September — und das ist kein Mangel, sondern der Grund, warum es in diesem Monat so ruhig ist.
Das große polynesische Fest, das Heiva auf Tahiti, läuft im Juli: wochenlange Wettbewerbe in Tanz, Gesang und Trommel, bei denen ganze Dörfer gegeneinander antreten. Auf den Cookinseln fällt Te Maeva Nui, die Feier der Selbstverwaltung, in die ersten Augusttage. Und Fidschis Nationalfeiertag kommt erst am zehnten Oktober.
Der September liegt genau dazwischen. Die Bühnen sind abgebaut, die Reisegruppen abgereist, und die Inseln kehren zu dem zurück, was sie den Rest des Jahres sind. Wer Folklore sucht, kommt zu spät oder zu früh. Wer die Inseln sucht, kommt genau richtig.
Was bleibt, ist das, was ohnehin jede Woche stattfindet und nichts mit Tourismus zu tun hat: der Sonntag. Auf den Cookinseln wird in den Kirchen mehrstimmig gesungen, ohne Instrumente, mit einer Lautstärke und einer Selbstverständlichkeit, die einen unvorbereitet trifft. Man setzt sich hinten hin, und niemand nimmt Notiz. Es ist keine Vorführung. Es ist Sonntag.
Im überlieferten polynesischen Kalender liegt der September mitten in einer Jahreszeit, die tau 'o'e heißt: die magere Zeit. Sie beginnt um den zwanzigsten Mai, wenn die Plejaden unter den Horizont sinken, und endet um den zwanzigsten November, wenn sie zurückkehren. Sechs Monate, in denen das Land weniger hergab — weniger Früchte, weniger Ernte, weniger Fülle.
Man kann darin eine Ironie sehen. Denn genau in diesen Monaten gibt das Meer am meisten her. Die Wale ziehen durch, die Mantarochen versammeln sich, die Sicht unter Wasser erreicht ihr Maximum, und die See liegt so ruhig, dass jedes Boot fahren kann.
Für Menschen, die auf diesen Inseln lebten, war das kein Widerspruch, sondern eine Ordnung: Was der Garten nicht gab, holte man aus dem Wasser. Die magere Zeit war die Zeit des Fischens.
Für den heutigen Gast bedeutet es dasselbe, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Er kommt nicht, um zu ernten, sondern um zu sehen. Und der Monat, der den Inseln am wenigsten gibt, gibt ihm am meisten.
Es gibt einen Grund, warum Taha'a die Vanilleinsel heißt, und im September steht er in Blüte. Zwischen Juli und Oktober öffnen sich die buttergelben Blüten der Vanilleorchidee — und jede einzelne davon muss von Hand bestäubt werden.
Dahinter steckt eine botanische Laune. Die Biene, die Vanille in ihrer mexikanischen Heimat bestäubt, gibt es hier nicht. Also übernimmt der Mensch. Jede Blüte öffnet sich an einem einzigen Morgen und stirbt am selben Abend, wenn sie unbestäubt bleibt. Die Pflanzer stehen also im Dunkeln auf und gehen durch ihre Plantagen, Blüte für Blüte, mit einem kleinen Stäbchen in der Hand. Sie nennen es, mit französischer Romantik, das Verheiraten der Vanille.
Wer in diesen Wochen eine Plantage im Tal von Faaaha besucht, sieht keine Sehenswürdigkeit, sondern Menschen bei einer Arbeit, die über ein ganzes Jahr entscheidet — und die seit fast zweihundert Jahren unverändert von Hand gemacht wird. Der weit überwiegende Teil der tahitianischen Vanille kommt von dieser einen kleinen Insel.
Und weil sie hier im Überfluss wächst, legt Le Taha'a seinen Gästen abends ein Bündel Schoten aufs Bett. Man nimmt es mit nach Hause, und Monate später öffnet man den Küchenschrank und riecht die Insel.
Ende September steht die Sonne über dem Äquator. Für die Lagunen Französisch-Polynesiens hat das eine Folge, die man kennen muss, um sie zu bemerken — und die man nicht vergisst, wenn man sie einmal gesehen hat.
Um die Tagundnachtgleiche herum trifft das Licht in einem Winkel auf das Wasser, der die Farben verstärkt. Das Türkis wird tiefer und satter, fast unwirklich. Was auf den Hochglanzbildern immer nach Nachbearbeitung aussieht, ist in diesen Tagen schlicht der Zustand des Wassers.
Es ist ein Detail, das kein Reiseveranstalter bewirbt, weil es sich nicht verkaufen lässt. Aber wer die Wahl zwischen zwei Septemberwochen hat, nimmt die spätere.
Der September ist der Monat, in dem der Südpazifik seine beste Sicht hat und seine größten Tiere zeigt. Die Trockenzeit steht, das Wasser ist klar, die Wale ziehen, die Mantarochen kommen verlässlich.
Dafür zahlt man mehr als im Mai — aber weniger als im Juli, weil die australischen Ferien vorbei sind. Wenn Sie einmal in Ihrem Leben in diesen Ozean tauchen wollen und es soll der Tag sein, an dem er alles hergibt: dann im September.