St. Félix · Südküste · Mauritius
Shanti Maurice
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Ein weitläufiger Garten an der stillen Südküste und eines der schönsten Spas der Insel — Erholung über Auftritt.
Magazin · Inspiration · Teil 2
Jenseits der Strände liegt ein grünes, stilles Mauritius — botanische Gärten, farbige Erde, Bergwälder und die ruhigen Süd- und Ostküsten. Eine Reise ins Innere und zu den Häusern, die den Rückzug zum Programm machen.
Mauritius ist mehr als sein türkiser Saum. Wer dem Wasser den Rücken kehrt und ins Innere fährt, findet eine zweite, leisere Insel: grüne Berge, dichte Wälder, Zuckerrohr bis zum Horizont und Gärten, die seit Jahrhunderten wachsen. Dieser zweite Teil unserer Mauritius-Serie folgt nicht dem Licht, sondern dem Grün — und der Ruhe.
Es ist die Seite der Insel, auf der man dem Land näher ist als dem Resort: ein botanischer Garten aus der Kolonialzeit, ein Wasserfall im Wald, Erde in sieben Farben, ein Berg mit schwerer Geschichte. Und drumherum die stilleren Küsten im Süden und Osten, wo die großen Namen seltener werden und die Häuser den Rückzug zum eigentlichen Luxus erklären.
Vier unserer mauritischen Häuser gehören zu dieser ruhigeren Seite. Bevor wir zu ihnen kommen, lohnt der Blick ins Grüne — denn er erklärt, warum man hierher fährt: nicht für den Auftritt, sondern für die Stille.
Eine knappe Fahrt nördlich der Hauptstadt Port Louis liegt der älteste botanische Garten der Südhalbkugel, von vielen schlicht Pamplemousses genannt. Im 18. Jahrhundert vom Botaniker Pierre Poivre angelegt, versammelt er auf weitem Gelände Hunderte exotischer Arten — Gewürzbäume, Dutzende Palmensorten, darunter die Talipot-Palme, die nur ein einziges Mal in ihrem Leben blüht und danach abstirbt.
Sein berühmtestes Bild aber liegt an einem stillen Teich: die Riesenseerosen der Art Victoria amazonica, deren Blätter sich flach wie Tabletts auf dem Wasser ausbreiten. Ihre Blüte öffnet sich an einem Abend weiß und schließt sich am nächsten in tiefem Rosa — ein kleines Schauspiel, das man am ehesten in den Sommermonaten um den Jahresbeginn erwischt. Es ist ein Ort zum Langsamwerden, schattig und ruhig, fern vom Strandbetrieb.
Fährt man weiter ins zentrale Hochland, wird es kühler und grüner: Teefelder, Zuckerrohr bis zum Horizont und der heilige Kratersee Grand Bassin, im Hinduismus Ganga Talao genannt — der wichtigste Wallfahrtsort der Insel, umstanden von Tempeln und hohen Götterstatuen. Es ist ein Mauritius, das mit Strand wenig zu tun hat und gerade deshalb überrascht.
Im bergigen Südwesten, bei Chamarel, tut sich eines der eigenwilligsten Naturbilder der Insel auf: die Siebenfarbige Erde. Auf sanften Hügeln schimmert der vulkanische Boden in Streifen von Rot über Braun und Violett bis Grün und Blau — ein Farbenspiel aus Mineralien, das in der Sonne fast zu glühen scheint. Gleich daneben stürzt der Chamarel-Wasserfall in einem einzigen, hohen Fall in die Tiefe, eingefasst von dichtem Grün.
Dahinter beginnt der Black-River-Gorges-Nationalpark, das wilde, grüne Herz von Mauritius: Hunderte Pflanzenarten, endemische Vögel, die es nur hier gibt, und Wanderwege, die durch Regenwald, über Schluchten und zu Aussichtspunkten mit weitem Blick übers Land führen. Wer einmal die Strände verlässt, findet hier ein anderes Klima — kühler, feuchter, voller Vogelstimmen.
Schon die Fahrt dorthin ist ein Stimmungswechsel: Die Straße steigt aus dem hellen Küstenlicht in ein gedämpftes, sattes Grün, die Luft wird kühler, der Verkehr dünner. Statt Lagune und Liegestuhl plötzlich Farn, Wasser und Wald. Es ist dieser Kontrast, der das Innere von Mauritius so lohnend macht — ein Gegengewicht zum Strand, das einen Tagesausflug wert ist und den Blick auf die Insel weitet.
Die Küsten ringsum sind die ruhigeren der Insel. Der Süden ist rauer und ursprünglicher, überragt vom mächtigen Le Morne Brabant an der Südwestspitze. Der Osten wiederum fängt die Passatwinde ein: frischer, grüner, mit langen Lagunen und der vorgelagerten Île aux Cerfs. Beide Seiten haben gemeinsam, dass die große Hotellerie hier dünner wird und die Stille zunimmt.
Es sind die Gegenden, in denen Mauritius leiser wird. Hier liegt etwa La Maison d'Été an der windoffenen Ostküste bei Poste Lafayette — ein kleines, entspanntes Strandhaus, barfuß und ohne Inszenierung, nah am ländlichen Alltag der Insel. Wer den Rückzug sucht statt den Auftritt, ist an diesen Küsten richtig.
Der Reiz dieser Seite liegt im Weglassen. Die Wege sind länger, die Orte kleiner, der nächste Markt eine Fahrt entfernt — und genau das verlangsamt den Takt. Statt Strandpromenade und Bootsbetrieb gibt es Gärten, Wind und Wege ins Grüne; statt Programm die Erlaubnis, einen Tag einfach geschehen zu lassen.
Der Süden zeigt dabei ein Mauritius, das man kaum erwartet: Bei Gris Gris etwa fehlt der schützende Riffsaum, und der Indische Ozean trifft ungebremst auf schwarze Klippen — kein Badestrand, sondern ein Ort zum Schauen, an dem die Brandung donnert und der Wind die Gischt übers Gras trägt. Es ist die raue, ehrliche Kehrseite der türkisen Postkarte und für viele der eindrücklichste Punkt der Insel.
Kein Bild prägt den Süden so wie der Le Morne Brabant, ein wuchtiger Basaltberg an der Südwestspitze, der fast senkrecht aus dem Meer aufsteigt. Seit 2008 zählt er zum UNESCO-Welterbe — nicht allein der Landschaft wegen, sondern als Ort der Erinnerung: An seinen steilen Hängen und in seinen Höhlen suchten im 18. und frühen 19. Jahrhundert entflohene Sklaven, die Marrons, Zuflucht.
Die Überlieferung verleiht dem Berg seine Schwere — Geschichten von Menschen, die hier oben in Freiheit lebten, und vom tragischen Missverständnis, das den Ort zum Symbol des Widerstands gegen die Sklaverei machte. Heute führen Wege ein Stück hinauf, mit weitem Blick über Lagune und Riff; an seinem Fuß wachsen zwei seltene, nur hier heimische Pflanzen, darunter die Boucle d'Oreille, die Nationalblume der Insel.
Vor der Halbinsel liegt noch ein Naturschauspiel eigener Art: der sogenannte Unterwasserwasserfall. Wo der flache Schelf in die Tiefsee abfällt, schiebt die Strömung hellen Sand über die Kante — von oben, aus dem Flugzeug oder Helikopter, sieht es aus, als stürze das Meer in sich selbst. Eine optische Täuschung, gewiss, aber eine, die das dramatische Profil dieser Küste perfekt zusammenfasst.
Das grüne Mauritius ist auch das menschlichere. Wer ins Innere und in die Städte fährt, trifft auf eine Insel vieler Herkünfte: indische, afrikanisch-kreolische, chinesische, muslimische und französische Wurzeln leben hier seit Generationen nebeneinander — sichtbar in Tempeln, Kirchen und Moscheen, hörbar in den Sprachen, schmeckbar an jeder Straßenecke.
Die Hauptstadt Port Louis bündelt das auf engem Raum: der überdachte Zentralmarkt mit Gewürzen, Früchten und Stoffen, die Promenade am alten Hafen, dahinter Kolonialbauten und die Hügel. Auf den Landmärkten — etwa im quirligen Flacq im Osten — wird der Alltag der Insel greifbar; dazwischen kleine Stände mit Streetfood, das kreolische, indische und chinesische Einflüsse mischt.
Vieles davon wurzelt im Zuckerrohr, das die Hügel der Insel seit Jahrhunderten überzieht. Aus ihm entstehen der mauritische Rum und, in den kühleren Höhenlagen, der Tee — Erzeugnisse, um die sich heute eigene Ausflüge ranken: eine kleine „Route du Thé“ durch die Plantagen, Rumbrennereien wie die bei Chamarel mit Verkostung und Blick über die Felder, dazu die Vanille und die Gewürze, die einst Pierre Poivre nach Pamplemousses brachte. Es sind die leisen, erdigen Seiten von Mauritius, die man an keinem Strand findet.
Es ist diese Tiefe hinter dem Strandbild, die das grüne Mauritius lohnend macht. Man fährt nicht nur für eine Aussicht ins Innere, sondern für ein Gefühl dafür, wo man eigentlich ist — und kehrt mit mehr zurück als ein paar Fotos.
Fürs Innere gelten andere Regeln als für den Strand: Am angenehmsten sind die kühleren, trockeneren Monate von etwa Mai bis Dezember, wenn das Hochland klar ist und die Wege im Black-River-Park fest. Wann welche Küste und welche Jahreszeit am besten trägt, steht ausführlich in unserem Reisezeit-Artikel zu Mauritius — hier soll es beim Grün und der Ruhe bleiben.
Die Wege sind kurz: Mauritius ist klein, und vom Strand ins Grüne ist es selten mehr als eine Stunde. Garten, Chamarel und Park lassen sich gut zu einem Tag verbinden, der Süden zu einem zweiten. So bleibt das Innere ein Ausflug, kein Umzug — ein Gegengewicht zum Liegestuhl, von dem man abends an die ruhige Küste zurückkehrt.
Und genau darin liegt der Reiz dieser Seite: Sie verlangt, den Strand einmal zu verlassen. Wer es tut, findet ein zweites Mauritius — grüner, stiller, vielschichtiger — und versteht hinterher auch das erste besser.
Hinter den Stränden liegt das grüne, stille Mauritius: der alte Garten von Pamplemousses mit seinen Riesenseerosen, die farbige Erde und der Wasserfall von Chamarel, die Wälder des Black-River-Nationalparks und der geschichtsträchtige Le Morne. Drumherum die ruhigeren Süd- und Ostküsten, an denen die Häuser den Rückzug zum Programm machen — am schönsten in der trockenen Zeit von etwa Mai bis Dezember.
Es ist die Seite der Insel für alle, die mehr suchen als das Postkartenbild. Im ersten Teil dieser Serie ging es um die Lagunen und das Licht des Nordens — beide Seiten zusammen ergeben erst das ganze Mauritius.