Strandatlas

Magazin · Momentaufnahme

Griechenland im Mai

Die Kykladen vor der Saison: blühende Hänge, milde lange Tage und ein zahmer Meltemi — das weiß-blaue Inselbild in Ruhe, ehe der Hochsommer kommt.

Magazin·Griechenland im Mai

Die griechische Inselsaison beginnt im Mai — und sie beginnt im schönsten Licht. Auf den Kykladen sind die Hänge noch grün und voller Blüten, die Tage mild und lang, die Inseln still, ehe der Hochsommer sie füllt. Es ist das weiß-blaue Griechenland der Postkarten, nur in Ruhe: ohne die Hitze, die Menschenmengen und den kräftigen Wind des Juli und August.

Es ist die Vorsaison, die feine Zeit. Der Meltemi, jener Sommerwind der Kykladen, weht jetzt noch zahm; die weißen Dörfer atmen, die Wege sind leer, die Preise milder. Das Meer ist erst im Erwärmen — eine Spur frisch noch —, doch das Licht, die Blüte und die Stille machen den Mai zu einem der schönsten Monate der Inseln.

Diese Momentaufnahme hält die Kykladen im Mai fest — und zeigt drei Häuser, von einem Hügelhaus über Mykonos über einen stillen Rückzug auf Paros bis zu Höhlensuiten an der Caldera-Kante von Santorin.

Die feine Vorsaison

Die griechische Inselsaison läuft etwa von Mai bis Oktober; außerhalb dieser Monate schließen viele Inselhäuser. Der Mai steht an ihrem Anfang — und für viele ist er, mit dem frühen Herbst, die beste Zeit überhaupt: warme, aber nicht sengende Tage, lange Abende, ruhige Strände, milde Preise. Es ist die Zeit der besten Balance.

Auf den Kykladen weht der Meltemi an den Rändern der Saison deutlich zahmer als in seinem Juli-August-Hoch. Wie sich die griechischen Inselgruppen über das Jahr verteilen, steht ausführlich in unserem Reisezeit-Artikel für Griechenland; das herbstliche Gegenstück beschreibt unsere Momentaufnahme Griechenland im Oktober.

Ein ehrliches Wort gehört dazu: Der frühe Mai kann noch frisch sein, und das Meer ist erst im Erwärmen — an manchen Tagen sogar erfrischend kühl, denn das Wasser folgt der Trägheit der Jahreszeit und wird erst im Spätsommer richtig warm. Wem Pool und Terrasse genügen, den stört das nicht; wer vor allem schwimmen will, zielt eher auf die späteren Wochen oder den frühen Herbst. Dafür gehören jetzt die blühenden Hänge und die leeren Wege einem fast allein.

Das weiß-blaue Griechenland

Die Kykladen sind das trockene, lichtdurchflutete, skulpturale Griechenland: weiße Würfelhäuser, blaue Kuppeln, kahle Hänge, die senkrecht ins tiefblaue Meer fallen. Im Mai aber sind diese Hänge nicht kahl, sondern grün und voller Frühlingsblüten — eine Seite der Inseln, die der trockene Hochsommer nicht zeigt.

Jede Insel hat ihren eigenen Ton. Mykonos ist die glamouröse, lebendige — und hat doch im Mai, abseits des Trubels, eine stille Seite aus Windmühlen, Kapellen und einsamen Buchten. Paros ist das ruhigere, bodenständigere Kykladengriechenland mit alten Dörfern und langen Stränden. Und Santorin, auf der Kante seiner versunkenen Caldera, ist das dramatischste Bild von allen.

Im Mai zeigen sie sich alle von ihrer ruhigen Seite. Die Gassen von Oia sind noch begehbar, die Strände leer, die Tavernen entspannt; man sitzt abends draußen, ohne zu frieren, und das Licht über der Ägäis hat jene klare Schärfe, für die die Kykladen berühmt sind. Es ist das Inselbild, das im Hochsommer von Menschen verstellt wird — im Mai liegt es offen. Wer die Inseln einmal so erlebt hat — grün, still und im klaren Frühlingslicht —, kommt selten gern zur Hochsaison zurück.

Wenn die Inseln blühen

Der Mai ist der Monat, in dem die Kykladen an Land am schönsten sind. Die Frühlingsblüte überzieht die Hänge, wilder Thymian und Oregano duften in der warmen Luft, und die Wanderwege — die alten Eselspfade zwischen den Dörfern, die Wege hinab zu versteckten Buchten — sind begehbar, ehe die Sommerhitze sie ausbrennt. Es ist die Zeit, die Inseln zu Fuß zu erleben.

Auch das Meer beginnt zu locken, wenn auch noch frisch. An windstillen Tagen liegt die Ägäis glasklar, und die ersten Boote fahren zu den Buchten und Nachbarinseln, die im Hochsommer überlaufen sind. Wer ein geschütztes, windabgewandtes Ufer wählt, findet schon im Mai ruhiges, klares Wasser — und hat es fast für sich.

Und die Tafel trägt den Frühling. Die griechische Küche der Vorsaison lebt von dem, was jetzt wächst: junge Kräuter, erstes Gemüse, Käse aus den Bergen, Fisch aus ruhiger See. Man isst draußen in der milden Abendluft, ohne die Hektik der vollen Monate — langsam, einfach, gut. Es ist das entspannte Griechenland, das der Hochsommer kaum noch kennt.

Ehe der Sommer kommt

Der Reiz des Mai liegt im Davor. Alles, was die Kykladen ausmacht — das Licht, die weißen Dörfer, das tiefblaue Meer —, ist schon da, nur ohne die Hitze, die Menschenmengen und den kräftigen Wind des Hochsommers. Es ist das Inselbild in Ruhe, bevor die Saison es füllt.

Gerade darin liegt sein Wert. Die Strände sind leer, die Wege offen, die Hänge grün, die Preise mild — und der Meltemi weht zahm. Wer die Kykladen in ihrer schönsten, stillsten Form erleben will und nicht zwingend das wärmste Wasser braucht, findet im Mai sein Fenster — für viele die beste Zeit des Jahres.

Der Tausch ist ehrlich: Das Meer ist noch frisch, an frühen Tagen sogar kühl, und einzelne Häuser öffnen erst im Lauf des Monats. Wer das weiß und die Blüte, das Licht und die Ruhe über das warme Bad stellt, bekommt das weiß-blaue Griechenland in seiner anmutigsten Stunde — still, grün und voller Licht.

Kurz gesagt

Griechenland im Mai heißt auf den Kykladen: die feine Vorsaison — blühende Hänge, milde lange Tage und ein zahmer Meltemi, von Mykonos über Paros bis Santorin. Das weiß-blaue Inselbild liegt offen und still, ehe Hitze, Menschen und Sommerwind kommen.

Wer Blüte, Licht und Ruhe sucht, reist genau jetzt — wohlwissend, dass das Meer noch frisch ist und erst im Spätsommer richtig warm wird. So oder so sind die Kykladen im Mai von ihrer schönsten, stillsten Seite: grün, mild und voller Licht.