Deià · Tramuntana · Mallorca
La Residencia, A Belmond Hotel
Mitten in der Tramuntana über Deià: Das Haus lebt vom Frühjahr und vom Herbst — dann, wenn die Berge begehbar sind.
Magazin · Reisezeit
Eine Insel, zwei Kalender: An der Küste regiert das Wasser, im Gebirge das Licht. Warum der September der stärkste Monat ist, warum unsere Häuser den Winterschlaf der Ferienorte nicht mitmachen — und warum manche im Februar kommen, wenn kein Mensch badet.
Magazin·Beste Reisezeit für Mallorca
Kaum eine Insel wird von Deutschen so gut zu kennen geglaubt wie diese — und kaum eine wird so verlässlich zur falschen Zeit besucht. Zwischen dem 15. Juli und dem 31. August liegen die vollsten und teuersten Wochen des Jahres. Es sind auch die heißesten.
Dabei hat Mallorca ein ungewöhnlich breites Fenster. Die Insel trägt das ganze Jahr, sie trägt es nur jedes Mal anders. Und die entscheidende Frage ist nicht, wann das Wetter am besten ist, sondern: Wofür sind Sie gekommen?
Es gibt die Insel des Wassers und die Insel des Gebirges, und sie folgen nicht demselben Kalender.
Die Küste lebt vom Meer, und das Meer ist ein träges Element. Es braucht den ganzen Sommer, um sich aufzuwärmen, und gibt die Wärme nur langsam wieder her. Deshalb ist das Wasser nicht im Juli am wärmsten, sondern im späten August und im September — und es bleibt bis in den Oktober hinein über zwanzig Grad.
Die Serra de Tramuntana dagegen, das Weltkulturerbe-Gebirge im Nordwesten, mit elf Gipfeln über tausend Metern, lebt vom Licht und von der Temperatur. Sie ist im Hochsommer zu heiß zum Gehen und im tiefsten Winter zu nass. Ihre Zeit ist das Frühjahr und der Herbst.
Wer beides will — morgens im Wasser, nachmittags auf einem Bergpfad —, hat genau zwei Fenster im Jahr. Sie heißen September und Mai.
Wenn man auf dieser Insel einen einzigen Monat wählen müsste, wäre es der September, und es ist nicht knapp.
Das Wasser hat dann seine höchste Temperatur des Jahres erreicht, die Luft ist sommerlich, aber nicht mehr drückend, und die Menschenmassen sind fort — die spanischen und deutschen Schulferien enden, und ab Mitte des Monats kehrt an den Buchten eine Ruhe ein, die im August undenkbar war. Die Preise fallen mit.
Gleichzeitig wird die Tramuntana wieder begehbar. Die Serpentinen, die im August in der Hitze flimmern, liegen nun in klarer Luft; es ist die Zeit, in der die Rennradfahrer zurückkommen.
Und auf dem Land beginnt die Weinlese. Die Verema ist kein Folklore-Termin für Besucher, sondern die Arbeit eines Jahres — man fährt durch die Dörfer und riecht sie, bevor man sie sieht.
Das Frühjahr ist die Zeit, in der die Insel duftet. Nach den Regenfällen des Winters steht alles im Grün, die Tramuntana ist auf ihrem üppigsten Punkt, und die Temperaturen liegen um zwanzig Grad — warm genug für lange Tage draußen, kühl genug, dass ein Aufstieg kein Kampf ist.
Der Haken: Das Meer hinkt hinterher. Im Mai hat es noch nicht die Wärme des Herbstes, im Juni kommt es an. Wer vor allem baden will, wählt den Herbst. Wer vor allem gehen, radeln und sehen will, wählt das Frühjahr.
Der Juni ist der Kompromiss — und er hat am 23. den Sant Joan, die kürzeste Nacht, in der an den Stränden Feuer brennen und ganz Mallorca wach bleibt.
Juli und August sind auf Mallorca kein Geheimtipp, und dieser Text wird nicht so tun, als seien sie einer.
Über dreißig Grad, in Palmas Gassen auch über fünfunddreißig; die Buchten voll, die Straßen voll, die Preise auf dem Jahreshöchststand. Wer nicht an Schulferien gebunden ist, hat wenig Grund, in diesen Wochen zu kommen.
Wer es doch tut, hat eine Ausweichmöglichkeit, die viele übersehen: Die Tramuntana liegt ein paar Grad kühler als die Küste. Ein Haus in den Bergen ist im August ein anderes Erlebnis als ein Haus an der Bucht — und der Weg ans Wasser ist von dort meist kürzer, als es aussieht.
Mallorca hat einen Festkalender, der sich erstaunlich genau mit seinen Jahreszeiten deckt — und der Reisenden verrät, was die Insel gerade tut.
Im Januar brennen in Palma die Feuer des Sant Sebastià: Lagerfeuer auf den Plätzen, Musik bis in die Nacht, Grillroste mitten in der Stadt. Es ist das Fest, mit dem sich die Insel ihren eigenen Winter erträglich macht — und für Besucher der erste Beweis, dass hier auch dann etwas los ist, wenn kein Strandkorb steht.
Im Februar folgt der Karneval mit Umzügen in Palma und den Dörfern — dieselben Wochen, in denen draußen die Mandelbäume blühen. Wer die Blüte fotografieren will, bekommt das Fest gratis dazu.
Die Johannisnacht am 23. Juni ist die kürzeste des Jahres, und Mallorca verbringt sie nicht im Bett. An den Stränden brennen Feuer, man springt über sie und ins Wasser, und die Insel bleibt wach.
Und im September kommt die Verema, die Weinlese. Sie ist kein Programmpunkt, sondern Arbeit — aber die Dörfer im Landesinneren feiern sie, und wer in diesen Wochen dort wohnt, isst besser als sonst im Jahr.
Weil es der häufigste Irrtum ist, hier noch einmal deutlich: Das Mittelmeer ist im Juli nicht am wärmsten.
Es speichert Wärme über Monate und gibt sie langsam ab. Der Höchststand liegt im späten August und im September, und bis in den Oktober hinein bleibt das Wasser über zwanzig Grad — warm genug für jeden, der nicht fröstelt.
Umgekehrt ist es im Mai, bei zwanzig Grad Lufttemperatur und blühender Insel, noch empfindlich kühl. Es sind dieselben Wochen, in denen die Tramuntana perfekt ist. Man muss sich entscheiden — oder in den September fahren, wo man sich nicht entscheiden muss.
Es gibt eine Reisezeit für Mallorca, die in keiner Badeliste steht und die dennoch jedes Jahr Menschen auf die Insel bringt, die sonst nie im Winter reisen würden.
Ab Mitte Januar öffnen die Mandelbäume ihre Blüten, und über Wochen legt sich ein weiß-rosa Schleier über das Landesinnere. Der Höhepunkt liegt meist im Februar; in warmen Jahren ist der Zauber schon im März vorbei. Die Lokalpresse meldet täglich, wo gerade am schönsten geblüht wird.
Es ist mild, aber nicht warm — fünfzehn, siebzehn Grad. Man badet nicht. Man geht, man fährt, man sieht. Und man hat die Insel fast für sich.
Wer denkt, das sei ein Trostpreis für die Nebensaison, hat die Mandelblüte nicht gesehen.
Hier gehört eine Wahrheit hin, die für die meisten Mallorca-Ratgeber gilt, für unsere Häuser aber nur eingeschränkt.
In den klassischen Ferienorten fällt der Winter aus. Hotels, Restaurants und Geschäfte schließen von November bis Februar, ganze Promenaden stehen leer, und wer im Januar an eine Bettenburg gerät, findet sie verrammelt.
Nur: Unsere Häuser stehen nicht in den Ferienorten. Sie stehen in Deià, in Banyalbufar, in Puigpunyent, in Artà, in Santanyí — in Dörfern, Fincas und Gütern, die nicht vom Massentourismus leben. Für sie gelten die Schließungswellen der Küstenorte nicht in derselben Härte; einige haben ganzjährig geöffnet, andere machen nur wenige Wochen Pause.
Das ist kein Zufall der Kuration, sondern ihre Konsequenz: Wer Häuser abseits der Ferienorte sammelt, sammelt auch Häuser, die im Februar noch ein Feuer im Kamin machen. Prüfen Sie es trotzdem beim Haus nach — die Termine wechseln jährlich.
Zum Baden reisen Sie im September, notfalls im späten August oder im frühen Oktober. Das Wasser ist dann am wärmsten, die Buchten am leersten, die Preise gefallen. Es ist die beste Woche des Jahres auf dieser Insel, und sie ist kein Geheimnis mehr — buchen Sie früh.
Zum Wandern und Radfahren reisen Sie zwischen März und Juni oder im Oktober. Die Tramuntana ist dann in ihrem Element, die Luft klar, die Wege nicht ausgedörrt.
Für beides zugleich gibt es zwei Monate: September und, mit Abstrichen beim Wasser, Juni.
Für die Mandelblüte kommen Sie im Februar. Sie werden nicht schwimmen, und Sie werden es nicht bereuen.
Und wenn Sie an die Sommerferien gebunden sind: Nehmen Sie ein Haus in den Bergen statt an der Bucht. Ein paar Grad weniger und ein paar hundert Menschen weniger machen im August den ganzen Unterschied.
Mallorcas beste Reisezeit ist der September: das wärmste Wasser des Jahres, sommerliche Luft ohne Hitze, leere Buchten, fallende Preise und ein Gebirge, das wieder begehbar ist. Mai und Juni sind das zweite Fenster — grüner, kühler, mit einem Meer, das noch hinterherhinkt.
Juli und August sind heiß, voll und teuer; wer dann muss, geht in die Berge. Und der Winter ist kein leeres Blatt, sondern eine eigene Insel — mit einer Mandelblüte im Februar, für die es sich lohnt, aufs Baden zu verzichten.